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Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 06.03.2019 18:25

Moin, 2015 hatte sich die Regierung in Athen mit der EU auf ein rigoroses Sparprogramm (Memoranden) geeinigt, das unter anderem weitreichende Privatisierungen vorsieht. Auch auf den griechischen Inseln stehen z. B. Strände/Buchten, Immobilien, Häfen und Flughäfen auf der Liste der TAIPED (Privatisierungsgesellschaft, griechische Treuhand) zur Privatisierung ausgeschrieben.

Auf Korfu wurde der Flughafen in Kerkyra bereits verscherbelt und ging im April 2017 an Fraport.

Die einzigartige Sanddünenlandschaft an der Korission-Lagune bei Issos steht auf der Liste des TAIPED. Die Halbinsel “Erimitis” wurde bereits an einen Privatinvestor auf 99 Jahre verpachtet.
Zwei wichtige Naturschutzgebiete in Gefahr
http://radio-korfu.de/zwei-wichtige-naturschutzgebiete-in-gefahr/)
Privatization Deal of Kassiopi Plot on Corfu Completed https://news.gtp.gr/2016/12/29/privatization-deal-kassiopi-plot-corfu-completed/

Am 20. Februar berichtete die Griechenland Zeitung, daß der Hafen von Korfu zur Privatisierung ausgeschrieben ist.
Ausschreibung für die Nutzung von zehn griechischen Häfen https://www.griechenland.net/nachrichten/wirtschaft/25344-ausschreibung-f%C3%BCr-die-nutzung-von-zehn-griechischen-h%C3%A4fen)

Mich würde interessieren, ob es auf Korfu noch mehr Objekte gibt, die privatisiert werden sollen.

Die Rosa Luxemburg Stiftung Athen hat eine sehr interessante Broschüre (65 Seiten) "Griechenlands Staatsbetriebe im Zwangsverkauf" von Egbert Scheunemann heraus gebracht. Die Broschüre kann auch kostenlos bei der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin bestellt werden. https://www.rosalux.de/publikation/id/14550/

Ta Leme, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Alfredo - 06.03.2019 21:50

Moin,

Hamburg z. B. verscherbelt auch denkmalgeschützte Objekte bzw. lässt sie plattmachen, damit Luxuswohnungen gebaut werden können. Auch viele unserer Firmen haben mit deutschen Eigentümern nichts mehr am Hut. Wir haben bei uns keinen Grund sich über die Gegebenheiten auf Korfu aufzuregen.Schimpfen, meckern

Gruß
Alfred Acharavi


RE: Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 07.03.2019 01:08

Moin Alfredo, da ich Hamburger bin und auch in Hamburg lebe, weiß ich natürlich was in meiner Stadt schief läuft. In diesem Forum geht es aber nicht um Hamburg, sondern um Korfu.

Da mir Korfu (wie auch die griechischen Inseln) und die Menschen die da wohnen interessieren, verfolge ich natürlich was durch das Sparprogramm/Memoranden bzw. Privatisierungsgesellschaft TAIPED geplant ist und auch die Auswirkungen für die Einwohner.

vg, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Thomas - 07.03.2019 11:19

Guten Morgen,

Privatisierungen müssen ja nicht zwangsläufig zu Verschlechterungen führen.
Und ob der Flughafen nun verscherbelt ( billig verkauft) oder an Fraport zu einem marktkonformen Preis veräußert wurde, vermag ich nicht zu sagen.
Auf jeden Fall wurde vom Erwerber Geld in die Hand genommen und u.a. in die Modernisierung des Flughafens gesteckt.
Und die Arbeitnehmer bekommen regelmäßig ihr Gehalt.
Natürlich sind Privatisierungen auch kritisch zu sehen, gerade weil die Investoren Geld verdienen möchten.
Dies sollte natürlich im Einklang mit bestehenden Gesetzen und im Einklang mit der Natur und den Bewohnern geschehen.
Das sich Anrainer betroffener Regionen durchaus wehren können ( immer im rechtlichen Rahmen?) erlebt man derzeit an der geplanten neuen Müllkippe.


Thomas Korfu Smily


RE: Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 07.03.2019 12:09

Moin und Kalimera Thomas, bei der Übernahme der griechischen Flughäfen handelt es sich um einen einmaligen Präzedenzfall, daß ein Deutsches Staatsunternehmen der erste Profiteur des neuen Memorandums wird und es sich bei der Fraport AG um ein Deutsches Staatsunternehmen handelt. Die Mehrheit der 51% der Fraport-Aktien hält die Stadt Frankfurt und das Land Hessen. Es findet ein Eigentumwechsel von einem Griechischen Staatsunternehmen Richtung Deutsches Staatsunternehmen statt. Also eine Umwandlung von griechischem Staatseigentum in deutsches Staatseigentum. Die Gewinne (Profit) aus den Flughäfen landen in deutschen Kassen.

Berlin hat sich in den Verhandlungen mit Griechenland die Übernahme der regionalen Flughäfen durch das deutsche Staatsunternehmen Fraport extra absichern lassen. In der Grundsatzeinigung zwischen den Vertretern der Gläubiger und der SYRIZA-geführten Regierung über die umstrittenen Auflagen für ein drittes Kreditprogramm - dem so genannten Memorandum - werden ausdrücklich »unwiderrufliche Schritte« von Athen verlangt, die regionalen Flughäfen an den bisherigen Gewinner des Bieterverfahrens
zu verkaufen: die Frankfurter Fraport AG.

Interessant auch: Die Lufthansa Consulting hatte den griechischen Privatisierungsfonds HRADF beraten, der das Verkaufsverfahren an Fraport organisiert hatte. Die Lufthansa wiederum ist an dem Flughafenbetreiber mit knapp 9% beteiligt.

Auch in der Politik wurde Druck gemacht, auf Seiten von Fraport. Im Sommer 2015 machte sich dem vernehmen nach Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in Brüssel bei der EU-Kommission für die Fortsetzung des Verkaufs an Fraport stark. Das Bundesland ist mit über 31 Prozent Großaktionär an dem Konzern.

Der griechische Infrastrukturminister Christos Spirtzis „Bei dieser Privatisierung soll der griechische Staat 14 gewinnbringende Flughäfen verkaufen, und die anderen 30 Flughäfen, die keinen Gewinn machen und subventioniert werden müssen, bleiben beim griechischen Staat. Dies sei ein Modell, das so noch nirgendwo in Europa angewandt wurde. Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland“.

Der hessische Linkspartei-Abgeordneten Ulrich Wilken „Es sei ein Hohn, wenn sich Fraport an diesem Ausverkauf des griechischen Tafelsilbers beteiligt«. Schließlich sei der Konzern mehrheitlich in Öffentlicher Hand; und es ist gegen das öffentliche Interesse, die griechische Wirtschaft weiter zu schwächen“.

Alle Vorteile bleiben beim Konzern, alle Nachteile beim Staat – das ist das Rezept, nach dem die Privatisierung des griechischen Staatsvermögens vorgenommen wird.

Bis jetzt wurden alle Privatisierungs-Objekte weit unter Preis verscherbelt. Der Erlös der Privatisierung fliesst direkt in die Schuldenrückzahlung. Die Bevölkerung sieht nichts vom Geld. Die Gewinner sind jene, die sich griechisches Eigentum zu Niedrigpreisen aneignen und Zugang zu Monopolsektoren bekommen werden.

Es handelt sich schlicht um einen umfassenden Ausverkauf nationalen Eigentums, von dem private und staatliche (Fraport!) Unternehmen im Ausland profitieren.

vg, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Thomas - 07.03.2019 15:10

Lieber kv,

ich fühle mich von deinen in meinen Augen primär politisch geprägten Äußerungen eher erschlagen, denn sachlich über das Thema informiert.

Thomas Korfu Smily


RE: Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 07.03.2019 15:37

Moin und Kalimera, Thomas, daß ist natürlich schade, daß du dich erschlagen fühlst. Der griechische Staat und die griechische Gesellschaft sind auch durch die Sparprogramme/Memoranden (Austeritäspolitik) der Troika erschlagen.

Vielleicht können dich diese Artikel über das Thema Privatisierungen in Griechenland sachlich informieren, ohne daß du dich erschlagen fühlst.

Der Ausverkauf der Commons. Der Fall Griechenland

http://www.zeitschrift-luxemburg.de/der-ausverkauf-der-commons-der-fall-griechenland/

Ein Staat wird ausverkauft
Ob Bahn, Post, Strom- und Wasserversorgung: Griechenland versucht derzeit, grosse Teile seines Staatsbesitzes zu verkaufen. Doch die bisherigen Erträge sind gering und die absehbaren Folgekosten hoch.
http://www.woz.ch/1422/griechenland/ein-staat-wird-ausverkauft

Privatisierungsschwindel in Griechenland
Seit Jahrzehnten rollte über Europa eine Privatisierungswelle hinweg. Die hat viele Investoren, Banken und Beraterfirmen reich, aber nur wenige Bürger glücklich gemacht. Denn das große neoliberale Versprechen, privatisierte Versorgungsunternehmen könnten ihre Kunden billiger bedienen – mit Wasser, Strom, Verkehrsangeboten –, hat sich regelmäßig als Trug und oft genug auch als Lug erwiesen.

http://monde-diplomatique.de/shop_content.php?coID=100071

schöne Tag noch, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Andy37 - 07.03.2019 16:13

Hallo,
ich halte einige Äußerungen zu den Sparprogrammen für politisch einseitig. Was wären denn bessere Alternativen gewesen?
Sicher ist unstrittig, dass viele Griechen sehr leiden mussten und müssen. Aber sehr viele Griechen wussten auch, dass es so nicht weiter gehen konnte.
Ich denke da an die bekannte Methode, die Tavernenrechnung auf der Tischdecke zu schreiben ohne Quittung. Auch die verbreitete Korruption ist ein grosses Problem. Hier sind die Griechen gefordert in ihrem eigenen Verhalten etwas zu verändern.
Erste positive Ansätze sind erkennbar, es geht langsam aufwärts.
Ich zähle dazu auch ausdrücklich die Veränderungen am Flughafen Korfu. Endlich wird dieser modernisiert und erweitert. Ohne Hilfe von außen wäre hier auf längere Zeit nichts passiert.
Viele Grüße

Andy

Acharavi


RE: Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 07.03.2019 17:33

Moin und Kalispera Andy, mir geht es hier nicht um Rechnungen/Quittungen die man nicht nach dem Tavernenbesuch oder im Hotel bekommen hat. Mir geht es um die Auswirkungen der Privatisierungen auf Korfu, und was auf Korfu schon verscherbelt wurden ist und was noch verscherbelt werden soll.

Nehmen wir als Beispiel den Flughafen in Kerkyra:
Der Verwaltungsbezirk der Ionischen Inseln hat im Dezember ein elektronisches Referendum über die Privatisierung der Flughäfen auf den Ionischen Inseln durchgeführt. Vier der Fraport für 40 Jahre überlassenen Flughäfen befinden sich auf Ionischen Inseln. Das Ergebnis des Referendums ist: 76,05% der Teilnehmer sprachen sich für folgende Erklärung aus:
„Die fortschreitende Privatisierung von vierzehn Regionalflughäfen, von denen vier direkt die Region der Ionischen Inseln betreffen, und ihre Überlassung an ein halbstaatliches Unternehmen mit deutschen Interessen, wird als nachteilig für die Wirtschaft des Landes und der Region und als schädlich für die allgemeinen öffentlichen Interessen angesehen.
Wir streben ein neues Modell für den Betrieb der Flughäfen mit öffentlichem Charakter und unter Beteiligung der Selbstverwaltung und der regionalen Institutionen an.“

https://griechenlandsoli.com/2015/12/30/referendum-oxi-zur-privatisierung-der-flughaefen/

Auch der Bürgermeister Kostas Nikolouzos von Korfu hat sich gegen die Privatisierung des Flughafen in Kerkyra ausgesprochen. Hier kannst du es nachlesen:
Bürgermeister von Korfu protestiert in Frankfurt und in Berlin per Skype
https://griechenlandsoli.com/2016/07/05/buergermeister-von-korfu-protestiert-in-frankfurt-und-in-berlin-per-skype/

Es handelt sich schlicht um den Ausverkauf öffentlichen Eigentums und den Verlust der Souveränität.

Noch kurz was zu der von dir angesprochenen Korruption. Im Zusammenhang "Korruption in Griechenland" muss man auch von den deutschen und schweizer Multinationalen Konzernen Hochtief, Rheinmetall, Deutsche Bahn, Siemens und Krauss-Maffei-Wegmann, Novartis reden.
The Independent schrieb am 20.2.2012 „Deutschland wird angelastet, nicht nur maßgeblich zur Entstehung der Griechenland-Krise beigetragen, sondern auch Korruption nach Hellas exportiert zu haben.“

Der Privatisierungsprozess ist völlig intransparent und befördert das Phänomen Korruption noch weiter. Die Troika hat durchgesetzt, daß der Vorstand des Privatisierungsfonds in Griechenland nicht gerichtlich belangt werden kann.
Schönen Tag noch, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Andy37 - 07.03.2019 23:37

Das ist alles sehr ausführlich, allerdings bin ich nicht überzeugt und weitgehend anderer Meinung. Nichts für ungut.
Schönen Abend


RE: Privatisierungen auf Korfu - Dimitris - 08.03.2019 08:56

(07.03.2019 23:37)Andy37 schrieb:  Das ist alles sehr ausführlich, allerdings bin ich nicht überzeugt und weitgehend anderer Meinung. Nichts für ungut.
Schönen Abend
Einfach so oder mit Begründung?


RE: Privatisierungen auf Korfu - Andy37 - 08.03.2019 10:31

Hallo,
für mich sind die angegebenen Berichte nicht neutral oder objektiv, sondern politisch sehr einseitig geprägt. Für mich sollte in diesem Forum nicht so einseitig berichtet werden.
VG
Andy


RE: Privatisierungen auf Korfu - kokkinos vrachos - 08.03.2019 13:37

Moin und Kalimera Andy, Athen muß ihr ganzes Tafelsilber (Staatunternehmen) verscherbeln, Auflagen der Troika. Flughäfen, Häfen, die Post, die Bahn, Strom, Gas, Telefon, Wasser wurden bereits privatisiert. Nun sollen noch Inseln, Strände, Immobilien und archäologische Stätten verhökert werden. (Die sonstigen Auswirkungen der Sparprogramme/Memoranden: Niedergang der Wirtschaft und des Gesundheitssystem, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Anstieg der Selbstmordrate, Auswanderung, Kürzungen der Renten und Löhne usw. seien nur kurz erwähnt. Hier geht es nur um die Privatisierungen auf Korfu).

Da kann ich nur einseitig sein und mich auf die Seite der Menschen in Griechenland stellen. Oder ist es dir lieber wenn ich die Auswirkungen der Sparprogramme/Memoranden wie z.B. die Privatisierungen blumig umschreibe und nicht mehr von Sparprogrammen/Memoranden sondern von Reformen (Eurogruppenchef Dijsselbloem) spreche, der griechischen Bevölkerung ist damit nicht geholfen.

Heute ist das Land zu einem Synonym für die heftigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Krise des Jahres 2008 geworden.

kaló savvatokyriako, kv


RE: Privatisierungen auf Korfu - Alfredo - 08.03.2019 13:44

Weiter so und jeder interessierte Griechenland/Korfu-Urlauber wird sich in Zukunft überlegen ob er weiterhin Korfu/Griechenland besucht. Ich bin jetzt hier raus. Das von kokkinos vrachos geschriebene ist für mich mittlerweile reine Panikmache.

Gruß


RE: Privatisierungen auf Korfu - Korfu2007 - 08.03.2019 19:36

Diese Art mit Werten umzugehen, sind hier in Deutschland gang und gebe.
Was vormals Landschaftsschutzgebiet war, wird nach Bedarf von Städten und Gemeinden nun zum Neubaugebiet usw. usw.
Der Profit und Bedarf werfen alles über den Haufen.
Die letzten Jahre waren ja für GR nicht schlecht in Bezug auf Buchung.
Mir ist bei den letzten Besuchen auf Korfu aufgefallen, das das verdiente Geld nicht oder sehr wenig in die Infrastruktur der Insel fliest. (zb. Straßen)
Die es besser wissen sollen mich belehren, war nur mein Eindruck.
Natürlich muss man beachten was unter dem Strich verdient wird und bleibt.
Einfach ist es nicht.

Sauer sind diejenigen mit Recht, die in ein Paar Wochen Urlaub eine etwas heile Welt und Erholung suchen, die es wohl so nicht mehr geben wird.